White Paper · Felsch Lighting Design

Der Gradient als Maß des Charakters

Entwicklung einer Messmethodik zur Ermittlung und Quantifizierung des Härtegrads des Lichts (HgF)

Autor: Markus Felsch, Clarissa Borgstädt, M. A., Prof. Dr. Roland Greule, Prof. Dr. Robert Mores · Veröffentlicht: · Aktualisiert:

Titelseite: Der Gradient als Maß des Charakters

Kurzfassung

Teil 2 der Veröffentlichungen zum Härtegrad des Lichts (HgF). Im ersten Teil leitet Markus Felsch den HgF physikalisch her: Licht wird im Raum immer nur weicher, nie härter, und maßgeblich für die Lichthärte ist die Strecke D des Schattenübergangs – nicht die Steigung, die sich beim Dimmen ändern würde. Im zweiten Teil stellt die Masterthesis von Clarissa Borgstädt (HAW Hamburg) einen Demonstrator vor, der mit einer Leuchtdichtemesskamera und einem rotierenden Schattengeber die Messbarkeit des HgF belegt, und diskutiert Skala, Automatisierung und die Einführung des HgF als Planungsgröße neben dem bisherigen Modelling.

Kernaussagen

  1. Die Lichthärte entwickelt sich in der Praxis nur in eine Richtung: von hart nach weich. Jede Reflexion an Oberflächen macht das Raumlicht weicher, nie härter.
  2. Gemessen wird in der oberen Hemisphäre, reduziert auf einen Halbraum von 360° × 180° (64.800 Messpunkte). Ein rotierender Schattengeber erfasst ihn in 180 Schritten zu je 1°; die Messung mit dem kürzesten Schattenübergang wird als führender Wert gespeichert.
  3. Entscheidend für den HgF ist die Strecke D, die Summe der Teilstrecken d im Übergang von voll beleuchteter Fläche zum Kernschatten. Die Steigung allein ist ungeeignet, weil sie sich beim Dimmen ändert, die Lichthärte aber nicht.
  4. Einflussgrößen sind der Lichtweitungsfaktor (LwF) der Leuchte, Anzahl und Position der Lichtquellen, Abstand und Ausrichtung der Messstelle sowie der Messaufbau.
  5. Die Masterthesis an der HAW Hamburg hat mit einem Demonstrator auf Basis einer Leuchtdichtemesskamera die Messbarkeit des Härtegrads bewiesen.
  6. Normen und LiTG beschreiben Modelling und Schlagschatten bislang ohne quantitative Planungswerte. Der HgF schließt diese Lücke als zusätzliche Planungsgröße; Sollwerte je Raumtyp setzen empirische Tests voraus.

Teil 1: Nachweis des Härtegrads des Lichts

Vom Photon zum Raumlicht

Ein Photon besitzt keine Masse, aber Energie und Impuls, abhängig von seiner Frequenz. Der Lichtstrom einer Lichtquelle in Lumen wird mit der Helligkeitsempfindung des Auges bewertet, deren Maximum bei 555 nm liegt (theoretisch 683 lm/W). Wie geordnet dieser Lichtstrom in den Raum abgegeben wird, bestimmt zuerst das optische System der Leuchte – diffuse Abdeckung oder klare Linse. Diese primäre Lichtmodulation prägt den Charakter des Raumlichts. Sekundäre Lichtlenkung durch Reflexionen macht es nur weicher: Ein gebündelter Strahl zerfällt in viele kleine Lichtpunkte auf einer größeren Fläche, das Licht fällt aus einem größeren Raumwinkel ein.

Messraum und Einflussgrößen

Betrachtet wird die obere Hemisphäre, für die Messung reduziert auf einen Halbraum von 360° × 180° mit 64.800 Messpunkten, horizontal oder vertikal je nach Bezugsfläche. Der Messkopf erfasst ihn in 180 Schritten zu je 1°, weil die Rotationsachse mittig über dem Schattengeber liegt. Einfluss haben:

  • der Lichtweitungsfaktor (LwF) der Leuchte,
  • Anzahl und Position der Lichtquellen,
  • Abstand, Ort und Ausrichtung der Messstelle,
  • Messapparatur, Schattengeber, Sensorfläche und Auswertesoftware,
  • theoretisch die Messdauer wegen zunehmender Interreflexionen.

Die Strecke D als Maß

Aus den 180 Messschritten wird die Messung mit dem höchsten HgF beziehungsweise der kürzesten Strecke D als führender Wert gespeichert. Bisher – auch in der Masterthesis – galt die höchste Steigung im Übergang zum Kernschatten als Maß. Das wird der Praxis nicht gerecht: Beim Dimmen bleibt die Lichthärte gleich, die Steigung ändert sich aber. Entscheidend ist deshalb die Strecke D, die Summe der Teilstrecken d. Ein kurzes D bedeutet hohen HgF, ein langes D niedrigen.

Teil 2: Masterthesis „Reproduzierbarkeit von Beleuchtungssituationen mit Hilfe des Härtegrades von Licht“

Verfasserin: Clarissa Borgstädt, M. A. – Erstprüfer: Prof. Dr. Roland Greule, Zweitprüfer: Prof. Dr. Robert Mores (HAW Hamburg), Themengeber und Gutachter: Dipl.-Ing. (FH) Markus Felsch.

Demonstrator

Grundlage war die Leuchtdichtemesskamera LMK mobile air aus dem Lichtlabor der HAW Hamburg. Eine Objektivverlängerung mit innenliegender Diffusorfolie als Projektionsfläche, mit schwarzem Molton gegen Streulicht ausgekleidet, sorgt für einen festen Fokus. Ein rotierender Schattengeber über der Messfläche erzeugt die Messbilder, die mit einem Bildauswertungsprogramm, LMK LabSoft und einer Tabellenauswertung analysiert werden. Tests mit einem Lichtsimulationsprogramm ergänzten die Messungen.

Ergebnis und Entwicklungsmöglichkeiten

Die Messbarkeit des Härtegrads wurde mit dieser Methode bewiesen. Für ein Seriengerät denkbar sind eine automatisierte Auslösung der 180 Bilder oder eine Videoaufnahme, ein Mikrocontroller, der das maßgebliche Bild findet und den HgF direkt anzeigt, drahtlose Datenübertragung und eine Positionserkennung, um Messwerte mehrerer Punkte als Raumgrafik auszugeben.

Skala und Planungsgröße

Eine Skala von 0 bis 100 bietet sich an. Ob sie linear oder – entsprechend der Helligkeitswahrnehmung – logarithmisch gestuft wird, müssen weitere Messungen zeigen. Sollwerte kann es nicht einheitlich geben: Büro, Shop, Restaurant und Hotellobby stellen unterschiedliche Anforderungen. Sie setzen eine empirische Bewertung mit Probanden voraus.

Die LiTG-Schrift Heft 35 beschreibt das Modelling als Ausgewogenheit zwischen diffusem und gerichtetem Licht, mit einem Verhältnis von zylindrischer zu horizontaler Beleuchtungsstärke zwischen 0,30 und 0,60 als Indikator. Für Schlagschatten gibt es keine normativen Festlegungen. Quantitative Planungswerte für den Lichtcharakter fehlen also. Die Einführung des HgF als zusätzliche Planungsgröße ist deshalb sinnvoll – etwa für eine kontrastreiche Warenpräsentation mit hohem HgF neben einer geschützten Kundenzone mit niedrigem HgF.

„Aus dem Zusammenspiel von Licht und Schatten entsteht der Kontrast, in dem die Aussage zum Vorschein kommt.“

Markus Felsch

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Begriffe kurz erklärt

Härtegrad des Lichts (HgF)
Lichttechnische Größe für das Verhältnis von gerichtetem zu diffusem Licht, entwickelt von Felsch Lighting Design.
Strecke D
Länge des Übergangs von voll beleuchteter Fläche zum Kernschatten; kurzes D bedeutet hartes Licht.
Lichtweitungsfaktor (LwF)
Maß dafür, wie weich oder hart eine Leuchte ihr Licht in den Raumwinkel abgibt.
Modelling
Begriff aus Normen und LiTG für die Ausgewogenheit von diffusem und gerichtetem Licht; Indikator ist das Verhältnis zylindrischer zu horizontaler Beleuchtungsstärke.
Leuchtdichtemesskamera
Kalibrierte Kamera, die die Leuchtdichte jedes Bildpunkts misst.

Häufige Fragen

Warum ist die Steigung kein gutes Maß für die Lichthärte?

Beim Dimmen ändert sich die Helligkeit und damit die Steigung, die Lichthärte bleibt aber gleich. Maßgeblich ist deshalb die Länge des Schattenübergangs, die Strecke D.

Kann Licht im Raum härter werden?

Nein. Reflexionen an Oberflächen machen Raumlicht immer weicher. Die Lichthärte wird durch die Optik der Leuchte bestimmt und nimmt im Raum nur ab.

Wie unterscheidet sich der HgF vom Modelling?

Modelling bewertet über das Verhältnis zylindrischer zu horizontaler Beleuchtungsstärke, ob Formen gut erkennbar sind. Der HgF misst direkt den Charakter des Lichts über den Schattenübergang und lässt sich als eigene Planungsgröße angeben.

Wer hat die Messmethodik entwickelt?

Markus Felsch (Felsch Lighting Design) als Themengeber, umgesetzt in der Masterthesis von Clarissa Borgstädt an der HAW Hamburg, betreut von Prof. Dr. Roland Greule und Prof. Dr. Robert Mores.

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