White Paper · Felsch Lighting Design

Lichtimpulse setzen. Kunden leiten.

Wie sich wahrnehmungspsychologisch begründete Beleuchtung verkaufsfördernd einsetzen lässt – ein Eye-Tracking-Feldversuch im Einzelhandel

Autor: Markus Felsch, Prof. Dr.-Ing. Roland Greule, Dipl.-Ing. Thomas Lemke, Sergej Batov · Veröffentlicht: · Aktualisiert:

Titelseite: Lichtimpulse setzen. Kunden leiten.

Kurzfassung

Licht im Einzelhandel beeinflusst Verhalten, Wahrnehmung und Kaufentscheidungen. In einem Feldversuch im Optikgeschäft Opticon in Hamburg haben Felsch Lighting Design und die HAW Hamburg mit Eye-Tracking untersucht, wie zehn Testpersonen auf ein Lichtkonzept mit dynamischen Akzenten reagieren. Helle und farblich betonte Zonen wurden häufiger und länger betrachtet als diffus beleuchtete Bereiche, dynamisches Licht im Eingang lenkte Aufmerksamkeit und Laufrichtung. Das White Paper beschreibt die Gestaltungsregeln, den Versuchsaufbau und die Ergebnisse.

Kernaussagen

  1. Helle Zonen und farblich betonte Bereiche wurden häufiger und länger betrachtet als Flächen mit diffuser Grundbeleuchtung. Gezielte Lichtakzente lenken die Wahrnehmung aktiv.
  2. Dynamische Lichtverläufe im Eingangsbereich steigerten die Aufmerksamkeit und beeinflussten die Bewegungsrichtung der Kundinnen und Kunden.
  3. Drei-von-Fünf-Regel: Um den Blick auf den unteren Teil einer vertikalen Fläche zu lenken, müssen die unteren drei Fünftel lichttechnisch akzentuiert werden.
  4. Mittelmaß-Regel: Lichtveränderungen müssen in einem wahrnehmungspsychologisch sinnvollen Tempo ablaufen – zwischen der mittleren Verweildauer am Produkt und der im Geschäft.
  5. Helligkeitssprung-Regel: Im unteren Helligkeitsbereich werden Unterschiede überdurchschnittlich stark wahrgenommen, im oberen unterdurchschnittlich (nach der Stevens-Gleichung).
  6. 555-Regel: Bei Tageslicht entsteht ein Highlight mit Licht um 555 nm (Gelb), weil das Auge diesen Bereich am hellsten bewertet – eingesetzt auf dem Warenträger, nicht auf dem Produkt.
  7. Studien aus den USA zeigen: Dynamisches Licht im Eingang steigerte die Besucherzahl um 25 %, der Umsatz stieg um 6 %, und die nötige Akzentbeleuchtungsstärke sank um 60 %.

Fragestellung

Wie wirken Lichtverhältnisse auf das Verhalten von Kundinnen und Kunden im stationären Handel? Der Feldversuch verbindet reale Verkaufsbedingungen mit wissenschaftlicher Methodik. Mittels Eye-Tracking wurden Blickverläufe in einem Optikgeschäft analysiert, um zu prüfen, wie gezielte Lichtgestaltung Aufenthaltsdauer, Bewegungsmuster und die Interaktion mit Produkten beeinflusst.

Umgesetzte Gestaltungsprinzipien

  • Sekundäre Verkaufsflächen aktivieren: Regalbereiche ober- und unterhalb der Augenhöhe werden mit dynamischem Licht akzentuiert.
  • Lichtintensität steigt mit zunehmender Raumtiefe.
  • Horizontale Präsentationsflächen bilden den Lichtschwerpunkt.
  • Gangzonen werden nicht zusätzlich beleuchtet (diffuses Streulicht und Spiegelbeleuchtung).
  • Definierte Farbverläufe mit Highlights im weißen Bereich und Lichtblitzen in der Raumtiefe.
  • Der dynamische Ablauf ist auf die Verweildauer im Shop abgestimmt, nachts mit anderen Farbverläufen und längeren Intervallen.
  • Niedriger Energieeinsatz durch eine möglichst geringe Grundbeleuchtung.

Die vier Gestaltungsregeln

Drei-von-Fünf-Regel. Menschen schauen im Durchschnitt öfter auf den oberen Teil einer Fläche. Um die Aufmerksamkeit nach unten zu lenken, werden die drei unteren Fünftel akzentuiert. Bei Kindern müssen die Maßnahmen verstärkt werden.

Mittelmaß-Regel. Sehr schnelle oder sehr langsame Lichtwechsel nimmt der Betrachter nicht mehr auf. Die mittlere Verweildauer am Produkt ist die Obergrenze für die Frequenz, die mittlere Verweildauer im Geschäft die Untergrenze für einen Ablauf.

Helligkeitssprung-Regel. Nach der Stevens-Gleichung werden Änderungen im oberen Helligkeitsbereich unterdurchschnittlich, im unteren überdurchschnittlich wahrgenommen. Große wahrgenommene Unterschiede entstehen deshalb am unteren Rand der Helligkeitsempfindung.

555-Regel. Das Auge bewertet Licht um 555 nm (Gelb) deutlich heller als an den Rändern des Spektrums. Gelbes Licht auf dem Warenträger oder einer warenträgernahen Fläche führt den Blick zum Produkt, dynamisch auch im Kontrast zu blau-roten Farbverläufen.

Ergebnisse der In-Store-Forschung

Untersuchungen in den USA zeigen, dass Kunden bei farbiger Beleuchtung einzelner Displays langsamer gehen: Die Betrachtungsdauer stieg im Umfeld von 3 bis 4 Metern um 10 bis 15 Sekunden. Dynamisches Licht im Eingang steigerte die Besucherzahl um 25 %. 13 % der Kunden wählten den Ausgang mit farbig-dynamischer Beleuchtung. Produktberührungen stiegen zeitweise um 7 %, das Umsehen im Raum um 25 %, die Verkaufszahlen um 6 %. Für den gleichen Effekt reichte eine um 60 % geringere Akzentbeleuchtungsstärke.

Der Feldversuch

Zehn Versuchspersonen erhielten nach Einweisung und Kalibrierung die Aufgabe, eine Brille für sich auszuwählen. Weitere Vorgaben oder ein Zeitlimit gab es nicht. Die Blicke wurden Punkt für Punkt in einen Grundriss übertragen und in der Reihenfolge der Betrachtung verbunden. So lassen sich wenig beachtete Flächen von stark betrachteten unterscheiden.

Auswertung und Fazit

Helle und farblich betonte Zonen wurden häufiger und länger betrachtet als diffus beleuchtete Bereiche. Im Eingangsbereich führten dynamische Lichtverläufe zu höherer Aufmerksamkeit und beeinflussten die Laufrichtung. In farblich betonten Umfeldern stieg die Betrachtungsdauer einzelner Produkte messbar, der Wechsel von kaltem zu warmem Licht veränderte die emotionale Wirkung. Licht beeinflusst damit Blickverhalten, Orientierung und Verweildauer. Gezielt geplant hebt es Produkte hervor, strukturiert Wege und steuert die Atmosphäre – bei geringerem Energieeinsatz.

„Aus dem Zusammenspiel von Licht und Schatten entsteht der Kontrast, in dem die Aussage zum Vorschein kommt.“

Markus Felsch

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Begriffe kurz erklärt

Eye-Tracking
Messverfahren, das Blickrichtung und Blickverlauf aufzeichnet und dem gesehenen Bild überlagert.
Drei-von-Fünf-Regel
Gestaltungsregel: Die unteren drei Fünftel einer vertikalen Fläche akzentuieren, um den Blick nach unten zu lenken.
Mittelmaß-Regel
Gestaltungsregel: Lichtwechsel im Tempo zwischen Verweildauer am Produkt und Verweildauer im Geschäft.
Helligkeitssprung-Regel
Gestaltungsregel nach der Stevens-Gleichung: Helligkeitsunterschiede wirken im unteren Helligkeitsbereich am stärksten.
555-Regel
Gestaltungsregel: Highlights mit Licht um 555 nm, dem Maximum der Hellempfindlichkeit des Auges.

Häufige Fragen

Steigert dynamisches Licht den Umsatz im Einzelhandel?

In der zitierten US-Studie stiegen die Verkaufszahlen um 6 % und die Besucherzahl um 25 %. Im Hamburger Feldversuch lenkten dynamische Lichtverläufe im Eingang Aufmerksamkeit und Laufrichtung.

Spart verkaufsförderndes Licht Energie?

Ja. Mit dynamischem, farbigem Licht ließ sich die nötige Akzentbeleuchtungsstärke um 60 % senken, und das Konzept setzt auf eine möglichst geringe Grundbeleuchtung.

Wie wird der Blick auf untere Regalbereiche gelenkt?

Mit der Drei-von-Fünf-Regel – die unteren drei Fünftel der Fläche werden lichttechnisch akzentuiert.

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